Abaddon

Schlagartig reiße ich meine Augen auf, als der Lärm vor mir zu seinem Höhepunkt anwächst. Erst halte ich es für Regen, doch dann merke ich, dass die Töne dafür zu asymmetrisch sind. Sie scheinen von vielen einzelnen Schallquellen zu stammen und bei einigen mischt sich Lachen und Pfeifen unter. Schließlich finde ich das Wort für dieses Geräusch. Klatschen. Applaus. Mir wird applaudiert.

„Ein wundervoller Abend, oder etwa nicht?“, fragt eine heitere Frauenstimme einige Meter neben mir. Verwirrt versuche ich den Kopf zu heben, merke aber schnell, dass das nicht geht. Mein getrübter Blick wandert nach unten und findet meine Hände, die mit Fesseln an Stuhllehnen gebunden sind. Die Frau neben mir redet weiter.

„Also gut, Freunde, sieht so aus, als wäre auch nun unser letzter Gast aufgewacht. Ihr wisssssst, was das bedeutet!“ Laute Musik, die wie die Erkennungsmelodie einer Gameshow klingt, übertönt die Menge, die jetzt noch lauter grölt. Aber da ist noch etwas anderes, etwas, das ein Stück weiter links von mir liegt und nicht zu der Ansagerin gehört. Beim zweiten Mal höre ich es genauer. Das panische Schreien eines Mädchens, was sich mit allen Kräften zu befreien versucht.

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