Als an diesem Morgen mein Wecker klingelte, schien alles ganz gewöhnlich zu sein. Jedenfalls so lange, bis ich die Augen öffnete. Denn es war stockdunkel. Das mag in vielen Schlafzimmern normal sein. Allerdings war es Mitte Juli, ich hatte keine Jalousien, Rolläden oder Vorhänge vor den Fenstern und selbst, wenn draußen noch Nacht herrschen sollte, so befand sich eigentlich eine Straßenlaterne in unmittelbarer Nähe zu meinen Fenstern. Dennoch sah ich überhaupt nichts. Zuerst durchfuhr mich der schreckliche Gedanke, dass ich über Nacht blind geworden sein könnte.

Panisch tastete ich nach meinem Handy, das auf meinem Nachttisch lag, und schaltete es ein. Erleichtert stellte ich dabei fest, wie die Beleuchtung des Displays meine Augen erhellte. Also war ich doch nicht blind. Dafür hatte ich anscheinend plötzlich keinerlei Empfang mehr, was eher ungewöhnlich war, aber längst nicht so beunruhigend wie verlorenes Augenlicht.

Mein nächster Gedanke war natürlich, das Licht anzuschalten. Also nutzte ich die Beleuchtung meines Smartphones, um mich zum Lichtschalter vorzutasten. Doch als ich ihn drückte, blieb es dunkel. Also auch noch ein Stromausfall? Das erklärte aber nicht, warum es auch draußen stockdunkel war. Niemand hatte etwas von einer Sonnenfinsternis berichtet, und mein Handy behauptete steif und fest, dass es bereits 09:39 Uhr war. Eigentlich sollte es vor meinem Fenster taghell sein, auf dem nahen Spielplatz sollten sich die Kinder zanken und mein pedantischer Nachbar sollte wie jeden Sonntag seinen getunten Rasenmäher auspacken, um mich um den Verstand zu bringen. Doch es war nicht nur dunkel, sondern auch merkwürdig still. Das einzige Geräusch, das ich hörte, war ein fernes, dumpfes, rhythmisches Dröhnen, welches von jenseits meiner Zimmertür kam.

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